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Nachdem ich zuletzt über unser geliebtes, etwas langweiliges Lunchpaket geschrieben hatte, kamen mir einige Gedanken: „Machen sie das in Schweden und Dänemark genauso?“ Die Antwort lautet… fast, aber nicht ganz. Wir Norweger sind tatsächlich ziemlich speziell mit unserem Stapel aus vier offenen Brotscheiben, eingewickelt in Essenspapier, das sich immer wellt.

Machen wir eine kleine nordische Rundreise (mit ein paar globalen Abstechern, nur so zum Spaß).

Dänemark, Schweden und Finnland

  • In Dänemark gibt es „madpakke“ – und das ähnelt unserem tatsächlich ziemlich stark. Oft Roggenbrot mit Aufstrichen wie Käse, Leberpastete, Schinken oder Gewürzgurken. Die Dänen sind etwas geschickter darin, Dinge übereinander zu schichten und es „Smørrebrød“ zu nennen, wenn es festlich sein soll. Aber im Alltag? Einfaches „Madpakke“ in einer Box, gerne mit einer kleinen Überraschung wie einer Karotte oder einem Apfel.
  • In Schweden gibt es die größten Unterschiede. Dort ist ein warmes Mittagessen in der Schule und an vielen Arbeitsplätzen üblicher. Kindern wird oft warmes Essen serviert – kostenlos oder sehr günstig. Diejenigen, die ein Lunchpaket mitbringen, nennen es gerne „lunchlåda“ oder einfach „smörgås“, aber es ist nicht so heilig wie bei uns. Die Schweden scheinen zu denken: „Warum kalt essen, wenn man warmes Essen bekommen kann?“ Wir Norweger antworten: „Weil es Tradition ist und weil es günstig ist.“
  • In Finnland gibt es „eväs“ oder „eväspussi“ – ein Lunchpaket, das oft Roggenbrot, Käse, Schinken oder Fisch enthält. Aber finnische Schulen servieren auch allen Kindern ein warmes Mittagessen. Das Lunchpaket ist also eher für Erwachsene oder Ausflugstage gedacht.

Island und außerhalb der Nordländer

In Island gibt es mehr Abwechslung. In den kleinen Dörfern ist es viel hausgemacht und praktisch, aber Schulen servieren oft warme Mahlzeiten. Die Isländer haben ein starkes „Wir schaffen das gemeinsam“-Gefühl.

Außerhalb der nordischen Länder wird es für uns noch exotischer:

  • In Großbritannien gibt es das klassische Sandwich in einer Tüte – oft mit Chips und einem Stück Schokolade. Viel mehr „Grab and Go“.
  • In den USA variiert es stark: Manche bringen „Peanut Butter & Jelly“ mit, andere haben Reste vom Vorabend in einer schicken Lunchbox dabei.
  • In Japan gibt es „Bento“ – kleine Kunstwerke aus Reis, Fisch, Gemüse und Obst, hübsch verpackt, sodass es aussieht wie eine Mahlzeit aus einer Kochsendung.

Bento-Box
(Bento-Box)

Das Schöne daran, andere Länder zu beobachten, ist, dass wir entdecken, wie besonders unsere eigene kleine Tradition eigentlich ist. Das Lunchpaket ist nicht nur Essen – es steht für Sparsamkeit, Gleichheit und ein kleines Stück Heimat im Rucksack. Andere Länder haben vielleicht wärmere oder ausgefallenere Mittagessen, aber nur wenige haben das gleiche Gefühl von „alle machen es gleich“, das wir haben.

Deutschland

In Deutschland geht es fast genauso ernst zu wie bei uns, aber mit einer etwas „erwachseneren“ Note. Dort heißt es „Brotzeit“ oder „Pausenbrot“, und es gibt oft Roggenbrot mit Wurst, Käse und Gurke – gerne verpackt in einer schicken Box, die aussieht, als würde sie mehr kosten als mein ganzes Lunchpaket. Die Deutschen haben dennoch eine Regel: Es muss ordentlich sein. Keine halbherzigen Scheiben hier, nein. Man bekommt fast ein schlechtes Gewissen, wenn man nur ein trockenes Knäckebrot mitnimmt und das Mittagessen nennt.

Frankreich

Frankreich hingegen… oh, da lachen sie uns direkt ins Gesicht. Warum Essen einpacken, wenn man bei einer „Boulangerie“ vorbeischauen und ein frisches Baguette mit Käse und Schinken kaufen kann? Oder noch besser: ein kleines Mittagessen mit Salat und einem Glas Wein genießen (ja, sogar an einem ganz normalen Dienstag). Für einen Norweger, der im Februar-Regen steht und eine kalte Scheibe isst, fühlt sich das fast wie Betrug an. Sie haben zwar recht, aber trotzdem.

Italien

Italien hebt das Ganze mit „Panino“ oder Resten von der gestrigen Pasta auf ein neues Niveau. Sie wickeln es in Alufolie ein und essen es mit Stolz. Ich habe gehört, dass italienische Kinder kleine Thermoskannen mit warmer Pasta mitbekommen. Wir geben ihnen eine halbgetrocknete Scheibe Brot mit Brauner Käse und hoffen, dass sie sie nicht gegen eine Schokolade eintauschen.

Indien

In Indien ist das Lunchpaket (oder „Tiffin“) ein ganz eigenes Kapitel. Dort gibt es oft mehrere Etagen mit Reis, Gemüse und Chapati, transportiert in praktischen Metallboxen, die das Essen stundenlang warm halten. Es ist farbenfroh, würzig und duftintensiv – etwas, das eine norwegische Lunchbox im Büro wie einen ganzen Gewürzladen riechen lassen würde. Respekt.

Australien und Neuseeland

In Australien und Neuseeland vermischen sie britische Sandwich-Tradition mit gesunder Aussie-Vibe. Avocado, Ei, Hähnchen und jede Menge Obst. Man isst draußen in der Sonne, oft direkt aus einer kleinen Kühltasche, während man auf einer Bank sitzt. Wir Norweger sitzen gerne in einer dunklen Kantine und kauen schweigend vor uns hin, während wir auf den Schnee starren und an den Sommer denken, der 2018 hier war.

Und dann gibt es natürlich noch die Länder, in denen Lunchpakete fast unbekannt sind. In vielen südamerikanischen Ländern essen die Menschen mittags eine richtige Mahlzeit – gerne mit der Familie oder Kollegen. Siesta-Mentalität mit richtigem Essen, nicht nur Brot mit Belag. Plötzlich fühlt sich unsere stolze Lunchpaket-Tradition wie eine kleine protestantische Selbstkasteiung an.

Trotzdem sitze ich hier und lächle ein wenig. Denn auch wenn die Japaner „Bento“-Kunst schaffen und die Franzosen Baguettes genießen, haben wir etwas, das den meisten anderen fehlt: ein demokratisches, etwas graues und unglaublich norwegisches Gemeinschaftsgefühl. Alle machen es. Alle haben dasselbe. Und das ist eigentlich ganz gemütlich – selbst wenn das Brot trocken ist und die Gurke schon ein bisschen langweilig geworden ist.

Vielleicht sind wir nicht die Einzigen auf der Welt, die um halb zwölf kalt essen. Aber wir gehören definitiv zu den Konsequentesten. Und das, liebe Freunde, ist wohl eine kleine Schale mit Milchglas wert.

Was isst du, wenn du unterwegs bist? Hast du schon mal „madpakke“ in Dänemark oder „Bento“ in Japan probiert? Oder gehörst du zu denen, die immer warme Suppe in der Thermoskanne mitnehmen und damit die ganze Lunchbox-Kultur ruinieren?

Mahlzeit und guten Appetit!

PROTOKOLLIERT VON: Dave // BERGEN , 2026