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Hallo und willkommen zum einzigen Tag im Jahr (abgesehen vom 17. Mai), an dem die Einwohner von Bergen freiwillig an einer Parade teilnehmen. Das ist übrigens nicht wegen der norwegischen Fußballmeisterschaft oder weil es danach Freibier gibt. Der 1. Mai steht vor der Tür, und mit ihm kommt die alljährliche Mischung aus Klassenkampf, Regen und einer Prise kollektiver Selbsttäuschung, dass “wir dieses Jahr das Arbeitsleben wirklich ernst nehmen werden”.

In Bergen ist der 1. Mai ein Tag voller Charme und Eigenheiten. Plötzlich versammeln sich alle auf dem Torgallmenningen und rocken in roten Hemden, die sie sonst nur tragen, wenn sie ihre Hütten streichen. Die Redner sprechen über Gerechtigkeit, Löhne und Solidarität, und das Wetter ist meistens typisch für Bergen, mit leichtem Nieselregen. Aber da stehen sie nun, mit einem Regenschirm in der einen Hand und einer roten Fahne in der anderen. Es ist fast schon rührend.

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Alles fing 1890 an, als die Leute einen Achtstundentag forderten. Die Einwohner von Bergen machen seitdem mit. Damals war es echt ein harter Kampf. Heute geht’s eher darum, einen freien Tag zu bekommen, einen Hotdog zu verschlingen und zu hoffen, dass kein Kollege ein Foto von einem macht, das im Intranet landet mit der Bildunterschrift “Aktiv in der Arbeiterbewegung”.

Der 1. Mai ist ein großer Tag in Norwegen, besonders in Bergen.

Hier im Westen feiern wir den Tag mit klassischer Bergen-Begeisterung: halbherzig, aber mit viel Humor. Da reden die Gewerkschaftsführer über Rentenreformen, und die Leute in der Menge flüstern: “Meinst du, es gibt danach Bier am Zachariasbryggen?”

Es regnet immer genau dann, wenn die Rede am besten ist. Dann ist es typisch für Bergen, “Das ist ja typisch” zu murmeln, während man die Jacke ein wenig enger um sich zieht und so tut, als würde man noch zuhören. Es hat schon was Schönes, da gemeinsam zu stehen und 45 Minuten lang so zu tun, als wären wir alle Revolutionäre, bevor wir dann nach Hause gehen und uns darüber beschweren, dass die Geschäfte geschlossen sind.

Die Welt da draußen: Von der Revolution zum 1. Mai und zum totalen Wahnsinn.

Der 1. Mai wird außerhalb Norwegens anders gefeiert. In vielen Ländern ist er immer noch ein großes Ding: Riesige Paraden, rote Fahnen, überall, und Reden, bei denen selbst der abgebrühteste Bergener denken würde: “Wow, die meinen das wirklich ernst.”

In Lateinamerika und Südeuropa gehen die Menschen in riesigen Prozessionen auf die Straße und fordern echte Veränderungen. In Frankreich streiken sie fast schon aus Prinzip – es ist wie ein nationaler Zeitvertreib. In Schweden und Finnland wird “Vappu” mit Studentenmützen, Champagner und einer Party gefeiert, die so wild ist, dass man fast meinen könnte, sie hätten vergessen, dass es eigentlich um Arbeitnehmerrechte geht.

Und dann gibt es noch die gemütliche Variante: In England und Deutschland tanzt man im Grunde um einen Maibaum herum und tut so, als wäre das überhaupt nicht politisch. “Wir feiern doch nur den Frühling!”, rufen sie und haben dabei diskret irgendwo einen roten Schal um.

In manchen Ländern entzündet man zu Walpurgis ein Feuer, um die Hexen zu vertreiben. Nach ein paar Maifeiertagsreden hier bei uns hätte man so ein Feuer auch in Bergen gut gebrauchen können. Das hätte vielleicht gegen den Regen und die Bürokratie geholfen.

Warum ist das wichtig? Oder anders gefragt: Wozu machen wir uns die Mühe?

In einer Zeit, in der flexible Arbeit oft bedeutet, dass man auch sonntags um 23 Uhr arbeiten kann, ist es gut, sich daran zu erinnern, dass der Achtstundentag nicht einfach so entstanden ist. Einige Menschen haben sich sogar auf die Straße begeben, um ihren Unmut zu äußern. Bei Regenwetter. In Bergen. Respekt.
Es ist schon irgendwie lustig, dass wir den Kampf der Arbeiter damit würdigen, dass wir uns den Tag frei nehmen. Das ist fast schon poetisch.

Für viele Leute in Bergen ist der 1. Mai ein Tag, an dem sie sich endlich von dem vielen Regen erholen können. Das allein ist schon ein Grund zum Feiern.

Ich wünsche allen einen frohen 1. Mai!

Egal, ob du mit einer roten Fahne durch die Gegend läufst, im Garten chillen kannst (wenn das Wetter mitspielt) oder einfach nur einen seltenen freien Tag genießt – es ist einfach schön, wenn die ganze Welt an einem Tag zum Stillstand kommt.

Also, hebt eure Kaffeetasse (oder ein “Hansa”, wenn ihr darauf steht) auf alle, die die Gesellschaft am Laufen halten. Ich freue mich schon auf den Frühling. Er hat eine Chance verdient, selbst in Bergen.

Ich wünsche dir einen schönen 1. Mai und viel Glück dabei, die Fahne trocken zu halten!

Quellen: