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Ort: Mein sogenannter Garten, Bergen – Westnorwegen, Norwegen
Datum: 1. Juni 2026
Beobachter: Ein erbärmlicher Expat, der immer noch glaubt, er könne die Natur zähmen

Es ist nun vier Jahre her, dass ich in einem Anfall von Optimismus und Spießbürger-Wahn einen neuen Rasen angelegt habe. Vier Jahre. Das ist länger, als viele Ehen in diesem Land halten.

Das Ergebnis? Eine Fläche von ca. 250 m², die nun ausschließlich aus einem ungewöhnlich üppigen, dichten und fast schon pornografisch grünen Moos besteht. Es ist nicht einmal ein gewöhnliches, normales Moos. Nein, das ist Premium-Moos. Moos mit Michelin-Stern.

Es sieht aus, als wäre es auf Steroiden. Gras? Kein einziges armseliges Hälmchen. Nicht einmal ein klägliches kleines Büschel, das es versucht. Es ist, als würde das Gras mich ansehen, „Scheiß drauf“ sagen und zum Nachbarn abwandern.

Ich habe es mit Kalk, Sand, Grassamen von drei verschiedenen Anbietern (darunter einer, der „robustes norwegisches Rasengras“ versprach) und schließlich, in meiner Verzweiflung, mit etwas gefüttert, das ich in der Gartenabteilung gekauft habe und das mehr kostete als eine Woche Lebensmittel. Das Moos lacht nur. Es lacht mir mitten ins Gesicht.

Das ist eigentlich beeindruckend. Irgendwie habe ich es geschafft, eine Monokultur zu schaffen. Nur nicht die Monokultur, die ich mir vorgestellt hatte, aber ich bin ein erfolgreicher Mooszüchter geworden. Vielleicht sollte ich einen Zuschuss beim Landwirtschaftsamt beantragen. „Innovative Produktion von nicht essbarem, extrem feuchtem Bodenbelag“.

Der Nachbar (der nervig perfekte norwegische Nachbar mit einem Rasen, der aussieht wie Wimbledon) streckte gestern den Kopf über den Zaun und sagte mit der üblichen Mischung aus Mitgefühl und versteckter Schadenfreude: „Ja, hier wächst viel Moos, wenn es Schatten und sauren Boden gibt.“
Danke, Knut. Sehr hilfreich. Das nächste Mal lege ich einfach von Anfang an Moos aus und erspare mir vier Jahre Demütigung und 3800 Kronen für diverse Produkte, die jetzt in der Garage liegen und ihren eigenen kleinen ironischen Garten bilden.

Aber ehrlich gesagt – es sieht ja ganz hübsch aus. Auf eine deprimierende Art und Weise. Weich. Gleichmäßig. Das ganze Jahr über grün. Erfordert null Mähen. Vielleicht ist das die Art der Natur, mir zu sagen, dass ich mein Kontrollbedürfnis aufgeben und akzeptieren sollte, dass ich eigentlich nur ein Amerikaner bin, der einen teuren Moosgarten besitzt.

Na gut. Ich gebe mich geschlagen.
Nächstes Jahr pflanze ich Farne und nenne es „japanisch inspirierten Schattengarten“. Dann kann ich so tun, als wäre das die ganze Zeit der Plan gewesen.

Ende Gelände.

PROTOKOLLIERT VON: Dave // BERGEN , 2026