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Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Ich lebe in Bergen, wo das Wetter im Grunde genommen ein Vollkontaktsport ist. Sieben Monate horizontaler Regen pro Jahr machen jeden philosophisch.
Mit achtundvierzig fühlt sich alles anders an, wenn das Einzige, was lauter knarzt als die alten Holzhäuser in Bryggen, die eigene Wirbelsäule und die Knie sind.
Achtundvierzig und total am Ende in Bergen
Die Geldsorgen schlichen sich leise an mich heran. Früher dachte ich, „Finanzplanung“ sei etwas, worüber man sich erst nach dem Kauf des ersten Hauses und vor der Geburt der Kinder Gedanken macht. Es stellt sich heraus, dass es das ist, was einen um 2 Uhr morgens wach hält, während man ausrechnet, wie viele Jahre man noch so tun kann, als würde man Kryptowährungen verstehen.
Die Hypothek ist abbezahlt, die Kinder sind (größtenteils) aus dem Haus, und doch sitze ich hier und aktualisiere meine Banking-App, als würde sie plötzlich einen Lottogewinn anzeigen statt der üblichen Realität: Ich sollte wohl aufhören, diese überteuerten Zimtschnecken in der Bäckerei am Fischmarkt zu kaufen. Das ist im Grunde essbare Miete.
Dann ist da noch die gesundheitliche Seite. Mein Körper hat angefangen, Überraschungspartys zu schmeißen, zu denen ich nicht eingeladen war. Kleine Dinge – wie mein „Dad-Bod“, der sich still und leise zum „Senior-Consultant-Bod“ entwickelt – haben sich langsam summiert. Also habe ich gestern das getan, was ein verantwortungsbewusster Erwachsener tut: Ich habe einen Arzttermin vereinbart. Nicht, weil ich glaube, dass ich sterbe (hoffe ich), sondern weil der Ausdruck „kontroll av vitale verdier“ plötzlich wie der Titel eines sehr ernsten skandinavischen Krimis klang.
Ich kann mir schon vorstellen, wie der Arzt meine Akte ansieht, eine Augenbraue hochzieht und sagt: „Nun, Ihr Cholesterin ist norwegisch, aber Ihr Blutdruck spricht definitiv den Bergen-Dialekt – laut und ein bisschen gestresst.“
Die Veränderungen mit Humor nehmen
Ich versuche, darüber zu lachen, denn was soll man sonst tun? Sport steht jetzt auf dem Programm, und ich habe die nächtlichen Käseplatten gegen … nun ja, etwas kleinere nächtliche Käseplatten eingetauscht. Kleine Schritte.
Die Fjorde sind immer noch atemberaubend, die Berge sind nicht verschwunden, und die Stadt ist immer noch die schönste regennasse Postkarte auf dem Planeten. Ich muss nur aufhören, meinen Körper wie einen 1998er Volvo zu behandeln, der mit schlechtem Sprit und purem Optimismus ewig weiterlaufen kann.
Also ja. Achtundvierzig in Bergen. Die Midlife-Crisis in vollem Gange, und ein Arzttermin steht im Kalender wie eine sanfte Erinnerung des Universums: „Hey Kumpel, Zeit, mit dem Improvisieren aufzuhören.“
Wenn du irgendwo zwischen 40 und 50 bist, dein Spiegelbild anstarrst und dich fragst, wann aus „jung und leichtsinnig“ „mittleres Alter und Natriumgehalt auf Etiketten checken“ wurde, bist du nicht allein. Wir versuchen alle nur herauszufinden, wie wir den Motor am Laufen halten können, ohne ihn gegen ein neueres Modell einzutauschen.
Wünscht mir Glück beim Arzt. Ich werde euch wissen lassen, ob die Vitalwerte mit Bergen-Akzent oder einem Warnhinweis zurückkommen.
Bis dahin: Bleibt trocken, bleibt neugierig und lasst vielleicht das zweite Zimtbrötchen aus.
Grüße aus der Regenhauptstadt Norwegens – ich mache mich auf den Weg zum Fischmarkt.