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Es ist 8:30 Uhr morgens, und die Stadt sieht aus, als hätte sie drei Tage lang ohne Unterbrechung heftig gefeiert.

Fahnenmasten liegen verstreut da wie nach einer Seeschlacht, Würstchenpapier tanzt im Wind wie kleine, fettige weiße Tauben, und es riecht nach angebrannten Würstchen, Bier und kollektiver Reue.

Ich treffe sie an einer Bank unten am Bryggen. Zwei Brüder, nennen wir sie Olav und Terje, beide in den Fünfzigern, jeder mit einer 7/11-Kaffeetasse in der Hand und dem klassischen Bergenser Gesichtsausdruck, der sagt: „Dafür haben wir keine Zeit.“ Sie tragen wahrscheinlich denselben Pullover wie letztes Jahr, und beide sehen aus, als hätten sie einen Krieg gegen ihre Frauen verloren.

„Nein, das hier ist doch total beschissen“, seufzt Olav und zeigt auf einen Haufen zerbrochener Plastikbecher. „Der 17. Mai soll eine würdige Feier der Verfassung sein, kein nationales Müllfest. Die Leute haben keinen Respekt mehr!“
Terje nickt ernst, als würden sie über den Ölpreis diskutieren. „Das habe ich meiner Frau gestern auch gesagt. ‚Hey, jetzt müssen wir hier ein bisschen Ordnung schaffen‘, habe ich gesagt. Aber nein. ‚Das regelt sich morgen schon‘, sagte sie. Und hier stehen wir nun. Mit Müllsack und schlechtem Gewissen.“

Sie sehen sich an. Ein kleines, verschwörerisches Lächeln bricht hervor.
„Aber verdammt, war das ein Spaß“, sagt Olav leise, fast als schäme er sich.
„Oh ja“, lacht Terje. „Ich erinnere mich nicht mehr an alles nach halb acht, aber es war gut. Und teuer … und wieder gut.“
Sie seufzen im Chor, ein echtes Bergen-Doppelseufzen, bevor sie widerwillig anfangen, den einen oder anderen Fahnenschaft aufzuheben. Nach zehn Sekunden sind sie schon dabei, darüber zu schimpfen, dass „die Jugend von heute“ nicht hinter sich aufräumen kann.

Ich verschwinde um die Ecke, bevor sie mich in die Diskussion darüber hineinziehen können, ob Aufräumaktionen für Musikkapellen verpflichtend sein sollten. Aber ich lache vor mich hin, den ganzen Weg bis zu meinem heutigen Arbeitsplatz.

So ist Bergen am besten. Ein bisschen Chaos. Ein bisschen Gejammer. Und jede Menge Liebe sowohl zur Party als auch nicht zuletzt zum Morgen danach.

PROTOKOLLIERT VON: Dave // BERGEN , 2026