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Die große norwegische Elektroauto-Euphorie

Während andere Länder über Subventionen streiten und mit dem Chaos an den Ladestationen zu kämpfen haben, haben wir das Elektroauto zur mit Abstand vernünftigsten – und beliebtesten – Wahl für die meisten Menschen gemacht. Im Jahr 2025 lag der Anteil reiner Elektroautos bei unglaublichen 95,9 Prozent der Neuwagenverkäufe.

Mehrere Monate lang lag er bei 97–98 Prozent, und im Dezember schoss er sogar auf 97,6 Prozent hoch. Das Auto mit Verbrennungsmotor ist hierzulande praktisch zu einem Nischenprodukt geworden. Es ist völlig surreal, wenn man bedenkt, wie schnell das gegangen ist.

Von 0 auf 98 Prozent: So haben wir das Auto mit Verbrennungsmotor ausgerottet

Schauen Sie sich nur den Rest der Welt an. In der EU kamen reine Elektroautos im Jahr 2025 auf magere 17,4 Prozent. Dänemark und Schweden liegen mit zeitweise rund 60–68 Prozent elektrifizierten Verkäufen an der Spitze Europas, aber sie sind meilenweit hinter uns. China verkauft in absoluten Zahlen die meisten Elektroautos, aber der Marktanteil liegt bei 50–60 Prozent. In den USA betrug der Anteil von Elektroautos am Neuwagenverkauf im Jahr 2025 nur rund 7–8 Prozent, und die Zahl sank gegen Ende des Jahres weiter, als die staatlichen Subventionen gekürzt wurden. Norwegen spielt schlichtweg in einer ganz eigenen Liga.

Der Erfolg kommt nicht von allein. Er ist auf ein echtes Kraftpaket an Anreizen zurückzuführen, das seit Jahren besteht: keine Anschaffungssteuer, niedrige oder aufgeschobene Mehrwertsteuer, kostenlose Fähren, günstigere Mautgebühren, Zugang zu Busspuren und gute Parkvereinbarungen. Insgesamt hat dies dazu geführt, dass es sich schlichtweg lohnt, ein Elektroauto zu kaufen – auch für viele, die weit draußen in den ländlichen Gebieten wohnen. Die Politiker haben es gewagt, früh und richtig hart zu setzen, und das Ergebnis ist, dass kein anderes Land auch nur annähernd herangekommen ist.

Meilenstein

Heute hat Norwegen die Marke von einer Million Elektroautos auf den Straßen überschritten – etwa jeder dritte Pkw ist elektrisch. Das ist ein enormer Meilenstein, der zeigt, wie tiefgreifend der Wandel ist. Viele Familien haben inzwischen sowohl ihren Benziner als auch ihren Diesel durch ein Elektroauto ersetzt, und Reichweitenangst ist dank besserer Batterien und einer besseren Ladeinfrastruktur weniger ein Thema geworden.

Denken Sie über diese Zahlen nach – sie sind tatsächlich ziemlich bemerkenswert:

  • Norwegen hat bereits 2026 die Marke von 1,1 Millionen Elektroautos auf den Straßen überschritten.
  • Rund jeder dritte Pkw ist mittlerweile elektrisch – im Großraum Oslo sind es sogar fast 45 Prozent.
  • Ein Marktanteil von 95–98 Prozent bedeutet, dass es fast unmöglich ist, fossile Fahrzeuge als Neuwagen zu verkaufen.
  • Die CO2-Emissionen aus dem Personenverkehr sind seit 2019 um über 30 Prozent gesunken, obwohl die Menschen mehr denn je fahren.
  • Gleichzeitig hat der Staat enorme Summen bei den Importen von Benzin und Diesel eingespart – Geld, das stattdessen in andere Posten des Staatshaushalts geflossen ist.

Es handelt sich nicht mehr um eine Umstellung. Es ist eine Revolution, die sich vor unseren Augen vollzogen hat, fast ohne dass wir blinzeln konnten.

Vom lächerlichen Spielzeug zum nationalen Problem

Doch der Erfolg hat auch eine dunkle Seite, über die nur wenige laut sprechen wollen. Während wir all die grünen Autos feiern, schwinden die Einnahmen aus Benzin- und Dieselsteuern rasend schnell. Dem Staat entgehen Milliarden, die für Straßen und Instandhaltung vorgesehen waren. Das Stromnetz spürt allmählich den Druck, und Schnellladeschlangen in den Ferien sind zum neuen norwegischen Volkssport geworden. Was als reiner Klimatriumph begann, entwickelt sich zu einem regelrechten Finanzierungsalptraum für den Sozialstaat.

Das Faszinierendste ist jedoch, wie radikal sich die Einstellungen gewandelt haben. Noch vor zehn bis fünfzehn Jahren wurde das Elektroauto mit Gelächter und schrägen Blicken bedacht – „ein teures Spielzeug für den Westen Oslos“. Heute ist es in vielen Kreisen fast peinlich, ein neues Benzinauto zu kaufen. Die kulturelle Revolution war genauso wichtig wie alle Steuersenkungen. Norwegen hat gezeigt, dass es tatsächlich möglich ist, den gesamten Fahrzeugbestand einer Nation innerhalb weniger Jahre umzustellen, wenn der Wille, das Geld und die Politik stimmen.

Norwegen als Vorreiterland

International wird oft auf uns als Vorreiterland verwiesen. Delegationen aus Europa, Asien und den USA kommen hierher, um zu untersuchen, was funktioniert hat. Dennoch lohnt es sich zu fragen: Wie viel von diesem Erfolg ist eigentlich auf die einzigartigen norwegischen wirtschaftlichen Instrumente zurückzuführen, und wie viel wurde durch Ölgelder finanziert? Ohne die große Fähigkeit des Staates, massive Steuererleichterungen zu gewähren, hätte das Bild anders ausgesehen.

Jetzt stehen wir an einem Scheideweg: Schaffen wir es, das Tempo zu halten, ohne diejenigen zu bestrafen, die bei der Arbeit oder auf dem Land weiterhin auf fossile Fahrzeuge angewiesen sind? Sollen wir alle Vorteile beibehalten, wenn fast alle Elektroautos fahren, oder müssen wir vielleicht bald anfangen, auch von ihnen eine Straßenbenutzungsgebühr zu verlangen?

Die Erfolgsgeschichte ist echt und beeindruckend – aber sie ist noch lange nicht zu Ende geschrieben. Im nächsten Kapitel geht es darum, wie wir die Straßen bezahlen sollen, wenn ganz Norwegen mit Strom fährt.

Wahrscheinlich wird die Transportbranche den Schlag abbekommen.

Quellen: