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Der 17. Mai ist nicht nur ein Nationalfeiertag – es ist ein Volksfest voller Freude, Tradition und ein bisschen kontrolliertem Chaos. Stell dir eine Mischung aus Nationalstolz, dem großen Tag der Kinder und einem großen Familienfest vor – alles verpackt in „Bunader“, Fahnen und Würstchen im Brötchen. Willkommen zu unserer Version des Independence Day, nur ohne Feuerwerk und mit viel mehr Eis.

Was feiern wir eigentlich?

Am 17. Mai 1814 unterzeichneten wir in Eidsvoll die norwegische Verfassung. Es war keine vollständige Unabhängigkeit, aber der Beginn von etwas Großem. Deshalb nennen wir ihn den „Grunnlovsdag” (Verfassungstag) – ein Fest der Freiheit, der Demokratie und der Rechte.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist der 17. Mai überraschend wenig militärisch und politisch geprägt. Es ist in erster Linie ein Tag der Kinder. Während es bei vielen Nationalfeiertagen um Soldaten und Paraden mit Kanonen und Schießpulver geht, dreht sich bei uns alles um Tausende von Kindern, die mit Fahnen, Musik und einem breiten Lächeln durch die Straßen ziehen.

So sieht ein typischer 17. Mai aus

Der Tag beginnt oft früh. Viele ziehen die „Bunad“ an – die schöne, handgefertigte Tracht, die von Bezirk zu Bezirk variiert. Wenn du keine „Bunad“ hast, ist es völlig in Ordnung, normale, schicke Kleidung zu tragen – gerne mit einer rot-weiß-blauen Schleife.

Das musikalische Herz: „Die Spielmannszüge“

Kein 17. Mai ohne den Klang von Trommeln und Trompeten, der zwischen den Hauswänden widerhallt. Noch bevor die meisten den Schlaf aus den Augen gerieben haben, marschieren die Schulkorps durch die Straßen, um die Nachbarschaft zu wecken. Der Anblick von Kindern und Jugendlichen in straffen Uniformen, die mit großem Stolz schwere Instrumente tragen, hat etwas ganz Besonderes. Auch wenn sie nach vielen Kilometern Marschieren vielleicht den einen oder anderen falschen Ton spielen, ist es genau diese Musik, die jedem Norweger ein Kribbeln im Bauch bereitet. Es ist der Klang von Freiheit, Gemeinschaft und einer guten Portion Begeisterung.

Dann beginnen die „barnetogene” (Kinderparaden). Im ganzen Land marschieren Schulklassen durch die Innenstädte, während „korps” (Blaskapellen) spielen, die Menschen jubeln und mit Fahnen winken. In Oslo zieht die große Kinderparade am Schloss vorbei, wo die Königsfamilie auf dem Balkon steht und winkt.

Nach dem Umzug gibt es Spiele, Reden und Essen. In Parks und auf Schulhöfen wimmelt es von glücklichen Kindern (und erschöpften Erwachsenen) mit Würstchen im Brötchen, Eis und Erdbeeren mit Sahne.

Man sieht erwachsene Männer in „Bunad“, die Kindern mit Luftballons hinterherlaufen, und Großmütter, die Schokolade verteilen, während sie über das Wetter diskutieren. Es ist Nationalstolz, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen.

Essen, Traditionen und Gemütlichkeit

Wenn die großen Umzüge vorbei sind, verlagert sich die Feier oft in die örtlichen Schulen. Hier erlebt man den norwegischen „Dugnadsånden“ in voller Blüte. Eltern in Bunad stehen am Stand und verkaufen Kuchen, während die Kinder bei Sackhüpfen, Kartoffellauf und Glücksrad gegeneinander antreten. Hier werden die inoffiziellen Weltrekorde im Eisessen aufgestellt. Es ist ungezwungen, es ist laut, und hier sieht man wirklich, wie die ganze Gemeinde zusammenkommt, um den Kindern einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Denken Sie daran, Kleingeld oder „Vipps“ bereitzuhalten – für Lose und Kuchen sind ein paar Kronen nötig!

Die Klassiker sind:

  • Wurst im „Lompe“ oder Brot mit viel Senf und Ketchup
  • Eis (oft in langen Schlangen)
  • Erdbeeren mit Sahne
  • Butterbrote, „Spekemat“ und Kuchen zu Hause oder im Garten. „Rømmegrøt“ ist ebenfalls ein Klassiker.

Viele Familien haben Traditionen wie Frühstück im Freien, einen Ausflug in den Wald oder das gemeinsame Anschauen des Kinderparades. Am Abend versammeln sich Freunde und Familie zu einem gemütlichen Beisammensein.

Warum fühlt sich der 17. Mai so besonders an?

Weil es ein Tag ist, an dem ganz Norwegen stillsteht. Die Geschäfte sind geschlossen, der Verkehr beruhigt sich und die Menschen sind gut gelaunt. Auch wenn wir normalerweise eher zurückhaltend sind, werden wir plötzlich fröhlich und offen. Ausländer, die ihren ersten 17. Mai erleben, beschreiben ihn oft als „magisch“, „unglaublich gemütlich“ und „ganz anders als erwartet“.

Tipps, wenn du als Ausländer hier bist

  • Kaufe oder miete eine „Bunad“, wenn du möchtest (es gibt Verleihmöglichkeiten)
  • Finde heraus, wann der Kinderumzug in deiner Stadt oder Gemeinde stattfindet
  • Nimm eine Regenjacke und Sonnencreme mit – das Wetter kann an einem Tag beides bieten, gerne auch etwas Schnee.
  • Lächle und grüße die Menschen um dich herum
  • Probier eine Wurst in „Lompe“. Das gehört zum Erlebnis dazu!

Der 17. Mai ist ein Tag voller Freude, Gemeinschaft und Hoffnung für die Zukunft. Er ist nicht perfekt, aber er ist echt.

Wenn du also nächstes Frühjahr hier bist: Zieh dir etwas Rotes, Weißes oder Blaues an, such dir einen guten Platz entlang der Zugstrecke und lass dich mitreißen. Du wirst schnell entdecken, warum wir immer sagen, dass dies der schönste Tag des Jahres ist.

Der „17. Mai“-Spickzettel (kleines Glossar)

  • Bunad: Norwegens traditionelle Festtracht (Volkstracht). Sie sieht je nach Herkunftsregion unterschiedlich aus.
  • Barnetog: Schüler, die mit Fahnen und Musik durch die Straßen ziehen.
  • Korps: Ein Orchester aus Blasinstrumenten und Trommeln, das marschieren kann.
  • Lompe: Ein flaches, weiches Fladenbrot aus Kartoffeln (wird oft anstelle von Brot zu Würstchen gegessen).
  • Spekemat: Fleisch, das durch Salzen und Trocknen konserviert wurde (z. B. Fenalår oder Salami).
  • Rømmegrøt: Ein traditioneller dickflüssiger Brei aus Sauerrahm, Mehl und Milch.
  • Vipps: Eine norwegische App zum Senden und Empfangen von Geld per Handy.
  • Dugnadsånden: Wenn Menschen freiwillig und unentgeltlich zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen (z. B. in der Schule).

Herzlichen Glückwunsch zum Nationalfeiertag – oder wie wir sagen: “Hurra for 17. mai!”