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Neues Leben in alten Mauern: Mein Alltag als Zimmermann in Bergen

Wenn die Leute hören, dass ich Zimmermann bin, denken sie oft an Neubauten, Gerüste und Beton. Für mich geht es jedoch meist um das Gegenteil: Ich kümmere mich um das, was bereits da ist – und das seit Hunderten von Jahren.

Ich habe mich auf die Restaurierung alter Gebäude spezialisiert. Es ist ein Beruf, der sowohl Präzision als auch Bescheidenheit erfordert. So kann man eine 250 Jahre alte Wohnzimmerwand nicht einfach „reparieren“. Man muss verstehen, warum sie so gebaut wurde, welche Holzart verwendet wurde, wie sich Feuchtigkeit über Generationen hinweg im Haus ausgebreitet hat und welche Folgen ein Fehler haben kann.

Bergen ist eine geschichtsträchtige Stadt.

Hier in Bergen gibt es überall alte Häuser. Unsere Stadt aus Holz hat Brände, Stürme und die Verwüstungen der Zeit überstanden und viele der Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Ich habe in Häusern gearbeitet, in denen die Bodenbalken im 18. Jahrhundert mit der Axt behauen wurden, und in denen man noch heute die Spuren der Handwerker sehen kann, die vor mir dort waren. Das gibt mir das seltsame Gefühl, Teil einer langen Kette zu sein, die niemals endet.

An manchen Tagen stehe ich in einem kleinen, schrägen Dachzimmer in Nordnes und rieche 200 Jahre alten Schimmel und Kiefernholz. An anderen Tagen bin ich in Bryggen oder in einem der großen Holzhäuser in Sandviken, die den Status eines Kulturerbes verdienen. Dann sind es nicht nur meine Kollegen und ich. Meist tauchen dann auch Außenstehende auf.

Denkmalschutzbeamte und Fachleute müssen mit ins Boot geholt werden.

Die Arbeit an denkmalgeschützten Gebäuden oder Häusern mit hohem Erhaltungswert bedeutet, dass man nicht einfach machen kann, was man will. Dann kommen Anforderungen an Dokumentation, Farbanalysen, traditionelle Handwerkstechniken und zugelassene Materialien ins Spiel. Plötzlich arbeiten wir mit Antiquaren, Restauratoren, Ingenieuren und manchmal auch Archäologen zusammen.

Das kann mitunter frustrierend sein, da es viel Papierkram und Besprechungen gibt. Aber genau das macht den Job auch lohnenswert. Ich lerne jeden Tag etwas Neues. So habe ich beispielsweise Hilfe von Leuten erhalten, die sich mit der Geschichte von Dachkonstruktionen besser auskennen als ich mit Zeitungen.

Ein anderes Mal hat mir ein Restaurator gezeigt, wie man originale Farbschichten konserviert, die ich fast übersehen hätte.

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Das Handwerkzeug: Alte Techniken vs. moderne Standards

Einer der interessantesten Aspekte meiner Arbeit ist es, ein Gleichgewicht zwischen der Anwendung traditioneller Methoden und der Erfüllung heutiger Lebensstandards zu finden. Bei der Restaurierung eines Hauses aus dem 18. Jahrhundert kann man nicht einfach moderne Elektrowerkzeuge und synthetische Materialien einsetzen.

  • Die Materialien sind entscheidend. Wir verwenden oft Kernholz (Alme) und Leinölfarbe (Linoljemaling). Im Gegensatz zu modernen Farben auf Kunststoffbasis lässt Leinöl das Holz atmen. Dies verhindert Feuchtigkeitsansammlungen, die im feuchten Klima von Bergen zu Fäulnis führen.
  • Das Werkzeug des Zimmermanns: Auch wenn ich meine moderne Bohrmaschine schätze, wird ein Großteil der Feinarbeit immer noch mit Handhobeln und Meißeln erledigt. Es gibt eine bestimmte Oberflächenbeschaffenheit, die nur mit einem scharfen Handhobel erzielt werden kann – eine Textur, die das Licht anders reflektiert als geschliffenes Holz.
  • Herausforderungen bei der Dämmung
    Wie dämmt man eine Wand, die nie dafür gedacht war, luftdicht zu sein? Wir verwenden oft atmungsaktive Dämmstoffe wie Holzfasern oder Schafwolle. Dies gewährleistet eine angenehme Temperatur für die Bewohner, ohne dass es zu Kondensationsproblemen innerhalb der Holzkonstruktion kommt. Indem wir diese alten Techniken respektieren, stellen wir sicher, dass die Reparaturen weitere hundert Jahre halten und nicht nur bis zum nächsten Renovierungszyklus.

Das Beste an meinem Job

Es sind diese Momente, in denen ein dunkler, feuchter, vergessener Raum plötzlich wieder hell und lebendig wird. Wenn der Eigentümer hereinkommt und verstummt. Es ist der Moment, in dem man sieht, dass das Haus „besser atmet“, nachdem wir eine ordentliche Dämmung eingebaut, morsche Balken ersetzt und die Seele des Gebäudes bewahrt haben.

Ich glaube nicht, dass uns diese Häuser gehören. Wir kümmern uns um sie für diejenigen, die nach uns kommen. Es mag seltsam klingen, aber so fühle ich mich, wenn ich nach einem langen Tag nach Hause gehe, mit Sägemehl im Haar und Farbe auf der Nase.

Zugegeben, manchmal juckt es mir in den Fingern, auch mal etwas völlig Neues zu bauen. Aber im Moment ist es sinnvoller, zu reparieren und zu erhalten. Bergen hat mir so viele wunderschöne alte Gebäude geschenkt, an denen ich arbeiten kann. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, etwas zurückzugeben.

Denkt daran: Es ist in Ordnung, alte Bretter und schiefe Böden zu lieben. Sie alle haben uns Geschichten zu erzählen.